Dienstag, 7. April 2015

#3 - Anreise (2/2)

Dreieinhalb Stunden später war ich in Fundao, einer Kleinstadt voller schöner weißer Häuser, die sich auf Grund ihrer bergigen Lage mehr in der Bauhöhe als in Form und Farbe unterscheiden. Dort empfing mich ein Taxifahrer, der von Andrea, der Chefin der Farm, organisiert worden war.
Abgesehen vom Preis ( 30€ für 90 Minuten)  war die Fahrt insofern denkwürdig, als dass ich sie nicht alleine bestritt. Ich teilte mir das Taxi mit zwei älteren Damen zwischen 70 und 85, die beide permanent vom Fahrer beruhigt werden mussten um nicht an der kurvigen Bergsteiger zu verzweifeln; beidemw war scheinbar sehr übel.
Noch nie in meinem Leben habe ich in so kurzer Zeit so viele leidende "Ay's" gehört.
Grob geschätzt waren es 100 bis 150, was ca. 1,5 "Ay's pro Minute" entspricht. Das von nur zwei Leuten ist auf jeden Fall rekordverdächtig und wenn ich das, als jemand, der ein Jahr in Mexiko verbracht hat, sagt, dann heißt das schon was.
Unter die "Ay's" mischten sich auch noch "Quero vomitar's"(Ich will kotzen) und als sich diese Wünsche der beiden Damen dann auch noch erfüllten (zum Glück stand das Auto dabei an einem Seitensteifen)  war das Chaos vollkommen.

Am Ende des Tages kam ich aber trotzdem gesund und sauber auf der Farm an. Der erste Blick dort schockierte mich ein wenig, was einfach daran lag, dass Erwartung und Realität weit auseinander lagen. Im Prinzip ist das ja etwas ziemlich alltägliches, in diesem Fall war die Distanz aber wirklich groß.

Ich hatte eine große, liebliche Farm mit geordneten Grünflächen und uralten, wunderschönen Backsteinhäusern erwartet. Bei der Ankunft sahen meine Augen aber natürlich etwas anderes als das. Die Größe der Farm war - zumindest auf den ersten Blick - überraschend klein. Tatsächlich besteht die Farm erst seid weniger als einem Jahrzehnt und wenn man die noch leeren Beete und Glasflächen der Ziegen mitwertet ist die Farm dafür, dass sie nur von einer vierköpfigen Familie und ständig wechselnden Freiwilligen betrieben wird, sehr groß. Aber mit meiner Alles-Scheisse-Sicht auf, die besonders daher rührte, dass die Freiwilligenunterkünfte keine idyllischen Holzbungalows, sondern heruntergekommene Lieferwagen und Wohnwagen waren, sah ich das natürlich nicht ganz so rational. Ich denke aber, dass solche kleinen inneren Holpersteine, besonders wenn man an Orte kommt, die einem völlig fremd sind, normal und auch gut sind. Wenn das nicht so wäre, wär's langweilig!

Bei meiner Ankunft wurde ich direkt sehr nett empfangen. Andrea aus England und ihr Lebensgefährte Jeroen aus den Niederlanden mit den Halbbrüdern Danny und Roan stellten sich vor und auch die 5 anderem Freiwilligen sagten Hallo. Die zahlreichen Hunde, Katzen, Ziegen, Hühner, Hasen und Meerschweinchen waren auch dort anwesend, beteiligten sich an der Begrüßung aber eher geringfügig.
Mit dem anschließenden, sehr leckerem, Abendessen mit Billigrotwein aus dem Notfall(super)markt einige Dörfer weiter wurde ich dann inoffiziell in die WWOOFer-Gemeinde aufgenommen. Die anderen Freiwilligen will ich kurz vorstellen:
Simon, 19, aus Deutschland, ist nach dem Abi mit Fahrrad und Zelt nach Portugal gefahren,
Pfruzsi und Szabolcs, Ende 20 und Anfang 40, ein ungarisches Paar, für jede Dummheit zu haben,
Lioba, 20, auch aus Deutschland, will vor der Uni nochmal ein bisschen die Welt sehen und
Lisa, 26, aus den Niederlanden, die eine "Öko-Farm"-Veteranin ist und vom Finnland bis Vietnam schon alles be-backpackt hat.

Nach einem sehr netten Abend ging es dann erstmal ins Bett.
Wobei Bett in diesem Fall "Matraze-und-Schlafsack-auf-dem-Boden-eines-alten-Lieferwagens" heisst, aber gemütlicher ist als gedacht!

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